as-Salāmu ʿalaykum wa raḥmatullāhi wa barakātuhu,

 

nachdem bereits an anderer Stelle eine Kaufempfehlung für Šayḫ Gibril Fouads Buch ausgesprochen wurde, im Folgenden nun eine abschnittsweise Übersetzung der Einleitung. Ich halte diesen Text für außerordentlich wertvoll, und kenne keinen deutschsprachigen Text mit untenstehendem Inhalt:

 

„… bis kein ʿĀlim mehr übrig ist, und die Menschen unwissende Männer zu Lehrern nehmen. Man wird sie fragen und sie werden ohne Wissen antworten. Sie selbst sind irregeleitet und führen andere in die Irre.“

Ein Ḥadīṯ des Propheten [ṣallallāhu ʿalayhi wa sallam], überliefert von ʿAbd Allāh b. ʿAmr, bei al-Buḫārī, Muslim, at-Tirmiḏī, ad-Dārimī, Ibn Māǧa und Aḥmad.

 

 

Die Bedeutung {der Begriffe} „Salaf“ und „Salafī“[1]

 

Al-lā maḏhabiyyatu aḫṭaru bidʿatin tuhaddidu aš-šarīʿata l-islāmiyya

(Rechtsschullosigkeit ist die schlimmste Neuerung, welche das islamische Gesetz bedroht)

Titel eines 1970 von Dr. Muḥammad Saʿīd Ramaḍān al-Buṭī veröffentlichten Buches.

 

Aller Lob sei Allāh, dem Allhöchsten, der sprach: „Dies ist mein Weg, ein gerader, so folgt ihm! Und folgt nicht den (anderen) Wegen, damit sie euch nicht von seinem Weg abführen! Dies hat er euch anbefohlen, auf dass ihr gottesfürchtig werden möget!“ (6:153)!

Segen und Heil seien auf dem Propheten Muḥammad, welcher kommende Generationen vor Menschen „unserer Hautfarbe und unserer [arabischen] Sprache“ warnte, welche am Tor des Irrtums stehen und den gewöhnlichen Muslim zur Verderbnis einladen.[2]

Sie tun dies nicht mit fremdartiger Sprache oder merkwürdigen Schlagworten, sondern mit den Worten des Buches der Rechtleitungen und den Ḥadīṯen des Besten der Schöpfung. Sie sind weit entfernt vom Benehmen und der Methode der frühen Muslime – der Salaf – und doch behaupten sie, dass sie ihnen nahe seien und es verdienten „Salafīs“ genannt zu werden. Dieses kurze Büchlein untersucht jene Behauptung im Lichte der Leben und der Werke einiger ihrer zeitgenössischen Akteure.

 

{Der Begriff} as-Salaf bezeichnet lexikalisch: jemandes Vorfahren oder älteren Verwandten, besonders jene die Fromm in Erinnerung sind, jemandes vergangene gute Taten, eine Vorauszahlung in einem Verkauf, ein Darlehen, wie qarḍ.

 

In der Rechtsterminologie des islamischen Gesetzes trägt das Wort Salaf die folgenden Bedeutungen:

 

  • {Der Begriff} bezieht sich auf die frühen Muǧtahid Imāme der {Rechts-}Schulen, welche akzeptiert sind und welchen nachgeahmt wird; wie etwa Abū Ḥanīfa und seine Gefährten Abū Yūsuf und Muḥammad b. al-Ḥasan aš-Šaybānī (gest. 189), die Gefährten des Propheten [ṣallallāhu ʿalayhi wa sallam] und die Tābiʿīn. Dies ist die Definition von Ibn ʿĀbidīn, welcher den Beginn des dritten Jahrhunderts als jene Zeit festlegt, welche trennt zwischen denen, die wir „die frühen Gelehrten“ (al-mutaqaddimūm) nennen, und jene, welche als „die späteren Gelehrten“ (al-mutaʾaḫḫirūn) bezeichnet werden.[3]
  • {Der Begriff} bezeichnet innerhalb der šāfiʿītischen Schule „jene, welche in der Geschichte der Gemeinschaft zuerst kamen“ (awāʾil hāḏihi l-umma).“
  • {Der Begriff} bezieht sich auf die Prophetengefährten, ihre Nachfolger, und die direkten Schüler der Nachfolger, welche im folgenden Ḥadīṯ des Propheten [ṣallallāhu ʿalayhi wa sallam] mit eingeschlossen sind, da er sagt: „Das beste Jahrhundert ist mein Jahrhundert, dann das darauffolgende, dann das darauffolgende.“[4] Dies ist die von den meisten Gelehrten bevorzugte Bedeutung. Dr. Saʿīd Ramaḍān al-Buṭī schreibt in der Einleitung seines Werkes as-Salafiyya:

„Die gängige, fachspezifische Definition des Begriffs ‚salaf‘ ist: Die ersten drei Jahrhunderte der Epoche dieser muslimischen Gemeinschaft, der Gemeinschaft unseres Meisters Muḥammad [ṣallallāhu ʿalayhi wa sallam]. Dies wird seiner Aussage, gemäß der Überlieferung der beiden Šayḫs [al-Buḫārī und Muslim] von ʿAbd Allāh b. Masʿūd entnommen: „Die besten Menschen finden sich in meinem Jahrhundert, sodann jene, welche ihnen folgen, und dann jene, welche letzgenannten folgen. Hiernach werden Menschen in Erscheinung treten, welche einen Meineid leisten, während sie Zeugenschaft ablegen.“ [eine tadellose Version besagt: „Hiernach wird sich das Lügen verbreiten.“]“

  • Imām aṣ-Ṣuyūṭī sagte:

„Zwischen dem Beginn der Prophetenschaft und dem Dahinscheiden des letzten der Prophetengefährten liegen 120 Jahre. Das Jahrhundert der Nachfolger {Tābiʿīn} beginnt mit dem Jahr 100 und erstreckt sich bis ins Jahr 170. Sodann jenes der Nachfolger der Nachfolger, bis etwa ins Jahr 220. Zu jener Zeit {dann} erschienen Neuerungen {bidʿa} en masse und die Muʿtazila ließen ihren Zungen freien Lauf. Die Philosophen reckten ihre Hälse und die Menschen des Wissens wurden vor Gericht gestellt, weil sie nicht sagten, dass der Koran erschaffen sei, und die Lage der Angelegenheiten änderte sich dramatisch. Dies hat sich bis heute nicht verändert und bezeugt die Wahrheit seiner [ṣallallāhu ʿalayhi wa sallam] Aussage, da er sprach: „Hiernach wird die Lüge sich verbreiten.“[5]

 

Die Bedeutung des obigen wird durch die folgende Aussage des Propheten [ṣallallāhu ʿalayhi wa sallam] noch weiter erhellt, da er sagt: „Es gibt weder Jahr noch Tag, außer dass das, was ihm nachfolgt, schlimmer ist.“[6] Was den Ḥadīṯ: „Das Gleichnis meiner Gemeinde ist wie das des Regens: Man weiß nicht, ob sein größeres Gut in seinem Anfang, oder seinem Ende liegt,“[7] anbetrifft, so sagt an-Nawawī, dass sich das Ende auf die Zeit nach dem Herabkommen von ʿĪsā [ṣallallāhu ʿalayhi wa sallam] bezieht[8], wie von folgendem Ḥadīṯ bewiesen wird: „Die besten meiner Gemeinschaft sind jene am ihrem Anfang, und jene an ihrem Ende. Von jenen an ihrem Anfang ist der Gottesgesandte [ṣallallāhu ʿalayhi wa sallam] und von jenen an ihrem Ende ist ʿĪsā b. Maryam [ṣallallāhu ʿalayhi wa sallam].“[9]

Šayḫ Muḥammad Munīr ʿAbduh Āġā ad-Dimašqī, Begründer des ersten „Salafī“ Verlagshauses in Kairo im Jahre 1337H, Idārat aṭ-Ṭibāʿa al-Munīriyya, welcher teilweise auch für das gegenwärtige Revival der Bücher Ibn Taymiyyas und Ibn ʿAbd al-Wahhābs verantwortlich ist, schrieb eine umfassende Definition der Begriffe „Salaf“ und „Salafiyya“ nieder, welche in folgendem Abschnitt wiedergegeben werden soll. […]

 

 

 

[1] Entnommen aus: Haddad, Gibril Fouad, Albani & his Friends: A Concise Guide to the Salafi Movement, Birmingham, 2009, S. 9-18.

[2] Überliefert von Ḥuḏayfa b. al-Yamān bei al-Buḫārī und Muslim.

[3] In: Maǧmūʿat Rasāʾil Ibn ʿĀbidīn (1:161).

[4] Überliefert von Ibn Masʿūd bei al-Buḫārī und Muslim.

Siehe: Saʿdī Abū Ḥabīb: al-Qāmūs al-Fiqhī luġatan wa iṣṭilāḥan („Wörterbuch des islamischen Rechts: lexikalisch und fachspezifisch“) (Damaskus, Dar al-Fikr, 1408/1988), S. 180; Muḥammad Rawwās Qalʿaǧī und Ḥāmid Ṣādiq Qunaybī, Muʿǧam Luġāt al-Fuqahāʾ (Kompendium islamrechtlicher Terminologien) (Beirut: Dār al-Nafāʾis, 1405/1985) S.248; Imām an-Nawawī, Taḥrīr at-Tanbīh: Muʿǧamun Luġawī (S.209); und Ibn Manẓūr, Lisān al-ʿArab, art. „s-l-f“.

[5] aṣ-Ṣuyūṭī in al-Mubārakfūrī, Tuḥfat al-Aḥwaḏī (6:482) und al-ʿAẓīm Ābādī, ʿAwn al-Maʿbūd (12:267). Cf. Ibn Ḥaǧar, Fatḥ al-Bārī (1959 ed. 6:7).

[6] Überliefert von Anas bei at-Tirmiḏī (ḥasan ṣaḥīḥ), an-Nasāʾī und Aḥmad. Al-Buḫārī überliefert es in seinem Ṣaḥīḥ mit dem Wortlaut: „Keine Zeit vergeht über euch, außer dass jene, welche ihr nachfolgt, schlimmer sein wird.“.

[7] Ein tadelloser (ḥasan) Ḥadīṯ, überliefert von (1) ʿAmmār b. Yāsir bei Ibn Ḥibbān (16:209-211 §7226) wo ihn Šayḫ Šuʿayb al-Arnaʿūṭ als „tadellos“ erklärt, „aufgrund seiner ihn unterstützenden Überlieferungen [von anderen Prophetengefährten]“ (ḥasan li-šawāhidih), Aḥmad in dessen Musnad, aṭ-Ṭayālisī in dessen (§647) und al-Bazzār in dessen (§2843) mit einer tadellosen Kette, von al-Hayṯamī aufgezeigt (10:68). (2) Von Anas bei at-Tirmiḏī (ḥasan ġarīb) mit einer schwachen Kette, gemäß an-Nawawī in dessen Fatāwā (S. 259), al-Baġawī in Šarḥ as-Sunna (1:405), al-Ḫaṭīb in dessen Tarīḫ (11:114), Abū Yaʿlā, aṭ-Ṭayālisī, al-Quḍāʿī in Musnad aš-Šihāb (§1351-1352), ad-Dāraquṭnī, ar-Rāmahurmuzī in Amṯāl al-Ḥadīṯ (S. 109), und Ibn ʿAbd al-Barr. Letzerer schreibt, dass er gemäß as-Saḫāwī in dessen Maqāṣid (S. 375) ḥasan sei und dies von Ibn Ḥaǧar in Fatḥ al-Bārī (7:6) bestätigt würde. (3) […]

[8] In dessen Fatāwā (S. 260). Al-Ḥākim (3:41) überliefert von Ǧubayr b. Nufayr, dass der Prophet [ṣallallāhu ʿalayhi wa sallam] sagte: „Der Daǧǧāl wird auf Menschen treffen die euch gleich, oder besser als ihr sind.“ – und er sagte dies drei Mal – „und Allāh wird eine Gemeinschaft, an deren Anfang ich, und an deren Ende ʿĪsā b. Maryam stehen, nicht verlassen.“ Al-Ḥākim erklärt es Ṣaḥīḥ, Aḏ-Ḏahabī allerding als „zurückgewiesen“ (munkar) und schwächt seine Kette. Abū Nuʿaym überliefert in seinem Aḫbār al-Mahdī ähnliches mit einer mursal Kette, in welcher das Glied des Prophetengefährten fehlt.

[9] Mursal überliefert von ʿUrwa b. Ruwayn bei Abū Nuʿaym in dessen Ḥilya (6:123) und maqṭūʿ mit tadelloser Kette als Aussage von ʿUmayr b. al-Aswad bei ad-Dānī in as-Sunan al-wārida fī-l-fitan (3:528 §222).