Immer wieder gibt es Kuriositäten und verborgene Köstlichkeiten, die irgendwann von irgendjemandem irgendwo untergebracht oder vergessen wurden, dann aber irgendwann irgendwo von irgendjemandem wieder gefunden und sich zu Gemüte geführt werden können. Ein Beispiel für solcherlei Leckerei stellt das Werk von Usāma ibn Munqidh dar, welches lange Zeit als verschollen galt, eigentlich den Titel „al-Iʿtibār“ trägt und von Gernot Rotter [1941 – 2010] ins Deutsche übersetzt wurde. Es war der französische Orientalist Derebourg, welcher im Jahr 1880 im Kloster Escorial bei Madrir eine Abschrift des empfohlenen Werkes wiederfand. Dieser fehlen leider 42 Seiten, weshalb das Buch mit in einer Schlachtschilderung beginnt.

Man könnte das Buch kaum besser beschreiben, als es der Verlag selbst tut, der da schreibt:

Der Emir Usāma ibn Munqidh [geboren 1095 auf der Festung Schaizar, verstorben im Jahre 1188 in Damaskus] gehört zu den interessantesten Gestalten des syrischen Arabertums zur Zeit der Kreuzzüge. Als ein Mann der Tat und der Feder, Ritter und Jäger, Literat und Höfling, politischer Intrigant ohne Skrupel verbrachte er sein langes Leben in Beziehungen mit den Franken, den Emiren Syriens und den Fātimidenkalifen Ägyptens und starb letztlich vergessen zur Zeit von Sultan Saladins größten Triumphen.

Weniger für die politische Geschichte als für die Mentalität und die Sitten, die täglichen Freuden und Nöte des muslimischen Ritters in jener wechselvollen Zeit sind seine Memoiren ein einzigartiges Dokument. Seine Liebe zum Grotesken, seine Freude am witzigen Detail und seine Neugier für die merkwürdigen Verhaltensweisen der Franken [, von welchen wir auf diesem Blog noch berichten werden] machen seine Lebenserinnerungen nicht nur zu einer lehrreichen, sondern auch zu einer überaus unterhaltsamen Lektüre.

Das Buch selbst erschien bei verschiedenen Verlagshäusern, ich selbst besitze lediglich folgende: Usâma ibn Munqidh, Ein Leben im Kampf gegen Kreuzritterheere, aus dem Arabischen übertragen und bearbeitet von Gernot Rotter, Edition Erdmann, Lenningen/Regensburg 2004.

Guten Appetit beim Augenschmaus dieser bekömmlichen Lektüre und nicht verzagen – bald gibt es Kostproben hier zu lesen!