Im Monat Ramaḍān sagte jemand zu einem Händler: „In diesem Monat läuft kein Geschäft“, woraufhin er sagte: „Gott, schenke den Juden und Christen ein langes Leben!“

 

 

Ein Mann sah einen anderen Mann auf einem langsamen Esel reiten und frage ihn: „Wohin bist du unterwegs?“ – „Zum Freitagsgebet!“ – „Warum das? Es ist doch erst Dienstag!“ – „Ja, doch wenn ich die Moschee mit diesem Esel am Samstag erreiche, hatte ich schon Glück.“

 

Abū Dulaf gab sich als Schiit aus und sagte: „Jeder, der sich nicht zur Schia bekennt, ist ein Kind der Unzucht!“ Sein Sohn sagte ihm: „Ich gehöre ihr nicht an!“, woraufhin ihm Abū Dulaf sagte: „Bei Gott, es stimmt! Denn ich war mit deiner Mutter zusammen, ehe ich sie kaufte!“

 

Ein Mann flirtete mit einer Frau und sagte: „Ich möchte dich kosten, um zu erfahren, wer süßer schmeckt, du oder meine Frau.“, woraufhin sie ihm antwortete: „Da fragst du am besten meinen Mann, der hat mich und deine Frau gekostet!“

 

Abū Nuwās sah einen Betrunkenen und betrachtete ihn voller Verwunderung und Heiterkeit. Man fragte ihn: „Warum lachst du, obwohl du doch tagtäglich im gleichen Zustand bist?“, da erwiderte Abū Nuwās: „Noch nie hab‘ ich einen Betrunkenen gesehen!“ – „Wie das denn?“, fragte man ihn, und er erklärte: „Ich werde immer als Erster betrunken und als Letzter wieder nüchtern. Daher weiß ich nicht, was mit den Betrunkenen passiert, wenn ich schon betrunken bin.“

 

Eine Tages sah man Abū Nuwās mit einem Becher Wein in der Hand; rechts von ihm einige Trauben, links von ihm ein Teller Rosinen. Mit jedem Schluck Wein aus dem Becker aß er eine Traube und eine Rosine. Als man ihn fragte, was dies zu bedeuten habe, da erklärte er: „Das ist der Vater, der Sohn und der Heilige Geist!“

 

Ein Beduine aß mit den fünf Fingern seiner Hand und man fragte ihn: „Warum tust du das?“ – „Äße ich nur mit drei Fingern, dann wären die anderen verärgert!“

Und einen anderen Beduinen fragte man: „Warum isst du mit deinen fünf Fingern?“, woraufhin er sagte: „Was ich denn tun? Ich ja nicht mehr!“

 

Man fragte Abū al-̣Ḥāriṯ, ob ein achtzigjähriger Mann noch ein Kind haben könne und er antwortete: „Ja, wenn er einen zwanzigjährigen Nachbarn hat!“

 

Ein langweiliger Mensch besuchte einen Kranken und blieb sehr lange bei ihm. Da sagte der Kranke: „Mir reichen die vielen Besucher langsam.“, woraufhin sein langweiliger Besucher fragte: „Soll ich gehen und die Tür abschließen?“ – „Ja!“, sagte der Kranke, „aber von außen!“

 

Einen Mann, der sich als Propheten ausgab, brachte man vor den Kalifen. Dieser sagte: „Ich schwöre, du bist ein törichter Prophet!“, und der Mann erwiderte: „Ja, denn ich wurde zu Menschen wie euch gesandt!“

 

Ein Mann sagte zu Ḣaǧǧāǧ: „Gestern im Traum, da habe ich dich im Paradies gesehen!“ Ḥaǧǧāǧ erwiderte: „Wenn dein Traum wahr ist, dann ist das Unrecht im Jenseits noch größer, als im Diesseits!“

 

Man sagte einem Sufi, dass er sein Gewand verkaufen solle, woraufhin jener antwortete: „Wenn der Fischer sein Netz verkauft, womit soll er dann fischen?“

 

Ein Beduine ging auf Pilgerfahrt, erreichte Mekka und die Kaba vor den anderen, klammerte sich an die Vorhänge und sagte: „Mein Gott, ich bitte dich! Vergib mir, ehe die anderen dich belästigen!“

 

Ein Mann heiratete eine Frau, welche fünf Tage nach der Hochzeit ein Kind zur Welt brachte. Daraufhin ging der Mann auf den Markt und kaufte Tafeln und Tinte. Als man ihn fragte: „Wozu kaufst du all dies?“, da antwortete er: „Ein Kind, das nach fünf Tagen zur Welt kommt, kann nach weiteren drei Tagen zur Schule gehen!“

 

 

[Die Witze entstammen dem „Kulliyyāt“ von ʿUbayd-i Zākānī. Entnommen wurden sie aus der „Bibliothek arabischer Klassiker – Der Islam in Originalzeugnissen, Religion und Gesellschaft“ der Edition Erdmann. Der Abschnitt findet sich auf den Seiten 281ff, wurden im Wortlaut allerdings leicht von mir verändert. Unverständliche Witze wurden ausgelassen.]