[Dieser Artikel wird jeden Versuch Imām al-Ġazālī mit dem gefährlichen Ruf nach einem „globalen islamischen Staat“ in Verbindung zu bringen entlarven; um dies zu tun werden wir historisches Hintergrundwissen und den gesellschaftlichen Kontext der Ansichten des Imāms darlegen.]

Es gereicht zu sagen, dass Gott alleinig alles Lob gebührt.

Imām al-Ġazālīs Ansichten werden falsch interpretiert und seine Popularität und sein Ansehen missbraucht um beinflussbare Muslime zu manipulieren, damit sie Teil einer hasspredigenden extremistischen Ideologie werden. Man mag fragen, was an dieser Ideologie {des politislamistischen Kalifats und der Hizb at-Tahrir} denn gefährlich sei. Nun denn, dass sie besagt, dass Gott es allen Muslimen, den Männern, Frauen, Jungen und Alten auferlegt hat, einen verpflichtenden, globalen islamischen Staat mit einem einzigen Kalifen zu schaffen, welcher dann gegen die Kuffār weltweit den Dschihad verkünden wird. Alle Muslime, welche nicht auf diesen islamischen Staat hinarbeiten seien aus der Sicht Gottes unglaublich sündhaft und indirekt für alles Leiden der Welt verantwortlich. Diese Hassideologie ist im Internet nicht unüblich, wo sie benutzt wird um im Geist naiver, verletzlicher Muslime Schuldgefühle hervorzurufen, wobei diese schlicht nicht wissen, was sie denn nun glauben sollen.

Zu den wiederholt missbrauchten Zitaten Imām al-Ġazālīs zählt: „Man kann nicht bestreiten, dass die Ernennung eines Imāms verpflichten ist und eine Pflicht für alle Muslime darstellt.“, welches sich in einigen seiner Büchern findet. In al-Mustaẓhari beginnt Imām Al-Ġazālī ein Kapitel beispielsweise mit den Worten: „Das Ziel dieses Kapitels ist zu beweisen, dass sein [,des Kalifen Mustaẓhirs] Imamat in Übereinstimmung mit dem Gesetz [des Islams] ist und aufzuzeigen, dass die Gelehrten aller Zeiten die Rechtsmeinung vertreten müssen, dass der Mensch definitiv und ohne Zweifel zum Gehorsam verpflichtet ist … und dass er der Kalif {Stellvertreter} Gottes über die Menschen ist, und dass der Gehorsam gegenüber ihm eine Pflicht für alle Menschen darstellt.“ [so viel dazu… überwältigend.]

Kontext ist eine tolle Sache, Leute, und auch: tatsächlich Islam studiert zu haben. Kein Wunder, dass die meisten Prediger und Scharfmacher dieser Hate-Speech niemals ein einziges klassisches, islamisches Buch gelesen haben – weder al-Ġazālī, noch irgendjemand anderen. Was allerdings sehr enttäuscht ist, wenn man ab und an doch einen Gebildeten sieht, der ausgebildet ist diese Leute in der Verkündigung eines islamischen Staates zu verteidigen; sei dies nun aufgrund ihrer verheerenden Ansichten oder einfach, weil sie aus persönlichen Gründen jene nicht abkönnen, die ihre hasserfüllte und extremistische Predigt verurteilen.

Nachdem ich dies gesagt habe, werde ich dem Otto-Normal-Muslim klar darlegen, dass Imām al-Ġazālī so frei von ihrer modernen politislamistischen und militanten Idee ist, wie er es nur sein kann, und alles auf einer Fehlinterpretation beruht ihrerseits beruht, da sie weder das Leben, noch die Epoche Imām al-Ġazālīs als Kollektiv genauer betrachtet haben.

Imām al-Ġazālī schreibt in seinem Buch Naṣīḥatu l-Mulūk: Die Lehre des Propheten: „Ein Königreich kann im Kufr [Unglaube] ausharren, aber nicht in Ẓulm [Tyrannei]“ solch eine Ethik zeigt klar, dass Gerechtigkeit das wichtigste ist und es nicht darum geht „über Kuffār zu herrschen“.

Bevor ich mich jetzt selbst vergesse, und falls dieser Artikel von jemandem gelesen wird, dem diese Dinge neu sind, und den sie vielleicht beeindrucken sollten wir klarstellen: Es gibt absolut KEINE Verpflichtung im Islam einen islamischen Staat/ein Kalifat zu errichten oder darauf hinzuarbeiten. Es gibt keine einzige klare Erwähnung im Koran dazu, und auch nicht in der Sunna des Propheten. Alle Zitationen von Ḥadīṯen die angeführt werden sind stets Fehldeutungen der Worte des Propheten. Zahllose Gelehrte, unter ihnen Imām Qalsadi, Ibn ʿArafa, Ǧuwayni, Šawkānī, Ṣanʿānī, etc. legten klar dar, dass jeder Ḥadīṯ bezüglichen Kalifen oder Imāmen stets auf eine Gemeinschaft, Region oder Provinz bezogen ist – und nicht von einem Kalifen für die gesamte Welt spricht. Sie betonen, dass derartiges unvorstellbar sei, da die Muslime seit dem ersten Jahrhundert nach dem Propheten stets mehr als einen Führer hatte. Sie waren gespalten in verschiedene Königreiche, Dynastien und Fürstentümer, welche sich alle selbst „Kalif“ nannten.

Islam möchte, dass die Menschheit sich entwickelt und aufblüht, miteinander und der Natur auf dieser Erde in Harmonie lebt. Dies kann ohne Vertrauen, Frieden, Gesetze und gesellschaftlicher Ordnung unmöglich geschehen. Führerschaft ist also notwendig, doch nicht weil sie ein Ritual wäre wie die Gebetswaschung oder ein Gottesdienst an sich, sondern als Instrumentarium zum Gedeihen der Menschheit. Dies im Hinterkopf reisen wir nun in die Vergangenheit… In die Welt des Mittelalters, in eine Ära, die nur Dynastien, Könige und Tyrannen kannte. Es gab nichts, was einer Regierung, Volksvertretung, Demokratie oder einem Parlament geähnelt hätte. Es war eine Zeit, da das Recht des Stärkeren durchgesetzt wurde, und dieser sich behauptete.

Im al-Ġazālī erklärt dies selbst ausufernd in seinem Buch. Er erwähnt, dass Herrschaft (Imamat/Kalifat) nur ein Werkzeug sei und höhere Ziele (Maqasid) verfolgt. Er betont, dass gesellschaftliche Ordnung nur von einem König ausgehen kann, der eine schlagkräftige Armee und Macht hat. Er schreibt: „Der Führer bedarf unbedingt Waffen; eine überwältigende Armee und zahlreiche Waffen, mit welchen er gegen Übertreter und Usurpatoren vorgehen kann.“

Jedes Mal, wenn ein Königreich von einem anderen angegriffen wurde, dann folgten fast immer Raub, Plünderei und Genozid. Daher schreibt Imām Taftazani in seinem Kommentar zu den ʿAqāʾid, dass der Wohlstand und Gedeihen {des Reiches und der Menschen} proportional  zur Größe und dem Einzugsbereich eines Königreiches/einer Dynastie seien. Wohlstand und Wachstum waren dort für ihn einfach nur wahrscheinlicher, da solch ein Reich kein leichtes Ziel für rivalisierende Könige oder Opportunisten war.

Worüber spricht Imām al-Ġazālī aber nun, wenn er sagt, dass wir einen Imām einsetzen müssen und dergleichen?

Um wirklich zu verstehen was er meinte, müssen wir versuchen mit den Augen al-Ġazālī einen Blick auf die Welt zu werfen:

[Geschichtsmützen aufgesetzt, Leute!]

Al-Ġazālī lebte im 5ten Jahrhundert der islamischen Zeitrechnung, geboren 450 AH [1058 n.Chr.]. Also vor der Schlacht von Hastings 1066! Und das war eine unglaublich turbulente Zeit auf der gesamten Welt. Es gab zahllose rivalisierende Könige und Dynastien, welche sich gegenseitig für einen Thron umbrachten und im Verlauf dessen ganze Landstriche entvölkerten. Die Bujiden, eine schiitische Dynastie, kontrollierte den Nahen Osten und die Abbasiden waren einfach nur eine Politikum ohne wirkliche Macht. Die Bujiden blieben für über 100 Jahre an der Macht und wurden offiziell 447 AH von den Seldschuken abgesetzt, drei Jahre vor Imām al-Ġazālīs Geburt, obgleich die Nachwehen ihres Einflusses nicht nur weitere Jahre sichtbar blieben, sondern auch im nächsten großen Königsroullette für die Abbasiden im Nahen Osten eine Rolle spielte. Bevor uns allerdings dieser Frage zuwenden, lasst uns sehen was anderswo in der muslimischen Welt lost ist. [*lächel… es ist immer gut mehrere Perspektiven zu haben.]

Im Westen der muslimischen Welt: al-Andalus [Andalusien, das muslimische Spanien] bestehend aus 22 muslimischen Königreichen. Die Maliki Legende, al-Bāǧī, ein späterer Zeitgenosse al-Ġazālīs, beschreibt, dass ein Mensch während eines einzigen Tagesmarsches drei Königreiche durchqueren konnte, welche alle behaupteten *der* Kalif zu sein. Während jenes Jahrhunderts befindet sich Ägypten unter fatimidischer [schiitischer] Herrschaft, Nordwest- und Zentralafrika haben Jahrzehnte der Gesetzlosigkeit hinter sich, welche schlussendlich in einer Dynastie enden, welche als die Murabitun [Almorawiden] bekannt werden. Die umayyadische Herrschaft (welche im Prinzip direkt nach den vier rechtgeleiteten Kalifen beginnt) existiert in einigen Ecken Spaniens immer noch, in einigen Enklaven Nordwestafrikas und auf den Balearen. Sizilien, welches etwa zwei Jahrhunderte vor al-Ġazālī von den al-Aġāliba (eine eigene Herrscherdynastie Nordzentralafrikas) erobert wurde ist in al-Ġazālīs Jahrhundert zerteilt in viele Könige; Ibn Mankut, Ibn al-Hawās etc. und wird dann an die französischen Armeen verloren.

Da stellt sich doch die Frage, warum es in Anbetracht dieser unterschiedlichen Königreiche/Kalifate kein globale Kalifatsbewegung gab! Warum haben die Gelehrten nicht in ihren Werken über diese Dinge gepredigt? Abgesehen davon, dass es Phantasterei ist … weil der Islam derartige Anordnungen nicht kennt und das eigentliche Ziel war, wo immer man sich auch befand, nach aufrechter, rechtschaffener Führerschaft zu streben. An dieser Stelle ist es wichtig, klarzustellen, dass der Islam zweifelsohne Einheit, und gemeinschaftliche Zusammenarbeit, wenn möglich, hypothetisch befürwortet.

Stellen wir uns vor, dass alle Muslime in einer Union (ähnlich der EU) organisiert wären, freie Märkte, Freihandelszonen, Währungsunion etc. All dies wäre eine hervorragende, vom Islam unterstützte Idee, da eine effektive Kooperation und Einheit hinsichtlich Zweck und Nutzen gut wäre. Das aber ist etwas gänzlich anderes, als zu predigen, dass diese modernen Staaten allesamt unrechtmäßig und nichtig seien, keinerlei Autorität hätten und Armeen für Militärputsche anzustacheln – damit wir wenigstens ein Land übernehmen können, einen Kalifen ausrufen können, der dann endlich autorisiert ist dem Rest der Ungläubigen weltweit den Krieg zu erklären. Eine solche Ansicht einfach wiedersinnig und brandgefährlich! [doch nun zurück in al-Ġazālīs Zeit.]

Sobald die Überreste der Bujiden schwanden begann die Dynastie der Fatimiden [Schia] zum Zug anzusetzen. Jene Dynastie war in Ägypten beheimatet und war davon überzeugt die einzigen, rechtmäßigen Führer zu stellen. Im Nahen Osten wurden sie von der schiitischen Sekte der Ismailiten unterstützt, der Bāṭiniyya, welche allerdings ebenfalls einen Herrschaftsanspruch über den Nahen Osten stellten. Die Abbasiden saßen bereits für die schiitische Bujiden Dynastie für über hundert Jahre auf den Präsentierteller, und so hatten die Fatimiden die Möglichkeit nur noch beim Schopf zu greifen. Es folgte ein Krieg an zwei Fronten: militärisch und ideologisch. Angst herrschte und viele Menschen wurden von der Sekte der Ismailiten ins Visier genommen, welche einen militanten Flügel besaß: Die tödlichen und gefürchteten „Assassinen“ [Haschhaschin… japp, daher kommt das Wort!] die von ihrem geistigen Führer Ḥasan Sabah inspiriert waren. Sie schwadronierten durch den Mittleren Osten und töteten zahllose Menschen des Adels, unter ihnen Nizam al-Mulk, eine Schlüsselregent und Patron Imām al-Ġazālīs; und zudem wurden noch einige Lehrer al-Ġazālīs von diesen Assassinen der Ismailiten getötet. [Einige glauben gar, dass diese tragischen Begebenheiten zur Lebenswende, hin zur Abgeschiedenheit, in den letzten Lebensjahren des Imāms geführt hätten.]

Den Menschen war allzu bewusst, dass jederzeit ein totaler Krieg losbrechen könnte – und dies war, was das gemeine Volk am meisten fürchtete. Die Fatimiden und Ismailiten produzierten zu jener Zeit einige Bücher um zu erklären, worin der abbasidische Herrscher al-Mustazhir dem fatimidischen Herrscher unterlegen sei – denn jener war nicht nur hinsichtlich seiner Abstammung dem Propheten näher, als Mustazhir, sondern auch noch durch Offenbarung erwählt. Dies war aus mehreren Gründen wichtig, unter anderem; weil bekannt war, dass die Dynastie der Abbasiden durch ein schreckliches Blutbad ihres ersten Herrschers, as-Saffah und anderen, zustandekam, und die Abbasiden selbst darüber hinaus keine starke Macht waren, sondern sich stark auf ihre „Oguz Turk Seldschuken“ verlassen mussten (, welche später dann die tatsächlichen Herrscher des Mittleren Ostens wurden). Die Ismailiten argumentierten, dass diese Seldschuken nicht einmal Araber seien, geschweige denn vom Stamm des Propheten, und deshalb niemals der Herrschaft würdig sein können – und wegen solch eines Betruges in der Führerschaft sollte die Allgemeinheit ihren Kalifen/Imām Mustazhir stürzen.

Um dieser Propaganda etwas entgegenzusetzen schrieb Imām al-Ġazālī sein Buch „Mustazhari“, oder wie es komplett lautet: Fada’ih al-Batiniyya wa-l-Fada’il al-Mustazhariyya, eine Enthüllung der schändlichen Batiniyya und die Vorzüge des al-Mustazhir. In eben diesem Buch argumentiert Imām al-Ġazālī für die Notwendigkeit einen Imām zu haben. Er beginnt sein Plädoyer mit einer Darlegung, dass es keine religiöse Pflicht darstelle, sondern vielmehr einfach und schlicht Stabilität biete! „Wenn nun jemand fragt, warum man einen Imām braucht… Dies ruft zum Zusammenbruch der Ordnung, dem Niedergang der Regierung, der Richter, dem Verlieren von Rechten, der Unfähigkeit Ehen zu vollziehen“ etc. Sodann fährt er noch im selben Buch mit einigen problematischeren Bedingungen für einen Imām fort, [die der abbasidische König sicherlich nicht hatte]: Umfassendes Wissen über den Islam [Iǧtihād]. Imām al-Ġazālī schreibt: „diese Bedingungen können übergangen werden“ und schreibt gar „ein wahrer Führer, der alle Voraussetzungen der Abstammung, Eignung und des Wissens trägt existiert in unserer Zeit nicht mehr!“ {und in unserer dann erst recht nicht…}

Er rechtfertigt dies indem er sagt, dass das auch okay ist und kein Grund zur Sorge – denn der Kalif kann sich ja schließlich auf Gelehrte verlassen, und wichtiger noch: Er hat Stabilität aufgrund seiner Armee! Imām al-Ġazālī schlussfolgert, dass al-Mustazhir der wahre Kalif sei, welchem alle Menschen die Treue schwören müssten. Es wäre vollkommen hirnrissig anzunehmen, dass er zu allen Menschen auf der Welt sprechen wollte, zu den Muslimen in Europa, Afrika und Asien! Das wäre nichts als ein Hirngespinst! Er sprach einfach die Menschen an, die Untertanen des abbasidischen Königs waren.

Ironischerweise bricht kurz danach eine Zeit der relativen Stabilität für die Region an und Imām al-Ġazālī wird wendet sich von seiner Unterstützung der Herrscher unglaublich ab. Er ist wohlbekannt für seine eigenen Fatāwā in seinem Ihya ʿulūm ad-Dīn, diese sind:

Handelsgeschäfte mit den Herrschern sind ḥarām, da ihr Geld ḥarām ist.

السلاطين، المعاملة معهم حرام لان اكثر مالهم حرام

Die Märkte die sie bauten wurden mit ḥarām Geld errichtet, weshalb es verboten ist auf ihnen zu handeln oder einen Stand aufzuschlagen.

الاسواق التي بنوها بالمال الحرام تحرم التجارة فيها و لا يجوز سكناها

Handelsgeschäfte mit Richtern, ihren Zuarbeitern oder Dienern sind noch schlimmer ḥarām.

معاملة قضاتهم و عمالهم و خدمهم مثل معاملتهم حرام بل هو أشد

Imām al-Ġazālī rechtfertigt diese Ansichten indem er schreibt, dass jene Herrscher die Macht nur durch Usurpation der Rechte, des Besitzes und Reichtums erlangt hätten, der ihnen eigentlich nie gehört hatte.

Noch interessanter für jeden, der den Imām als Stimme für den globalen islamischen Staat missbrauchen möchte ist, dass er die Menschen nicht nur jemals zum Kalifat anspornte, sondern auch nie dazu aufrief zu den Waffen zu greifen.

Tatsächlich wird Imām al-Ġazālī von einigen {modernen} Wissenschaftlern der letzten Jahrhunderte dafür kritisiert, dass er sich sogar dann nicht einmischte, als Jerusalem im Jahre 492 AH von den Kreuzrittern erobert wurde, oder die Menschen zu den Waffen rief. Tatsächlich lebte der Imām bis ins Jahr 505 AH in der Wüste der gleichen Region, nicht weit von al-Quds (Jerusalem), und dennoch war er nie dafür bekannt zum Dschihad aufzurufen, nahm nicht an der Verteidigung Jerusalems teil, versuchte keine Lokalfürsten für den Kampf dort zu beginnen und schrieb auch nie irgendwelchen Menschen, dass sie dies tun sollten. Viele andere Gelehrte, wie z.B. Ibn ʿAqīl etc. waren in den Widerstand eingebunden. Ibn Kaṯīr beschreibt uns, wie sogar die Könige die Gelehrten baten sich einzumischen – und dennoch entschied sich al-Ġazālī dagegen. Viele spätere Gelehrte erklärten, dass der Grund für Imām al-Ġazālīs Handeln in der Zurückgezogenheit zum Ende seines Lebens zu finden sei, da er sich der Reinigung seines inneren Selbst zuwandte, was er als wichtiger erachte, und er zudem keine besondere Liebe zum Diesseits und dessen Politik überhaupt verspürte. {Der eigentliche Grund spielt keine große Rolle, denn:}

Eins aber wird sonnenklar: Imām al-Ġazālī in unserer Zeit als einen politischen Aufwiegler darzustellen, als Stimme für einen globalen „islamischen Staat“ ist nicht nur ein Missbrauch der Legende und des Genies des großen Mannes, der er war, sondern tatsächlich eine offenkundige Verleumdung.

Möge Allāh reichlich Barmherzigkeit auf Imām al-Ġazālī herabkommen lassen und ihm im höchsten Paradies erhöhten Rang gewähren – Āmīn. Und möge Er uns die Möglichkeit geben diese Religion der Barmherzigkeit und des Mitgefühls von jenen zurückzuerlangen, welche versuchen sie zu missbrauchen; und möge Er jenen Linderung bescheren, deren Leben und Heime von dieser Krankheit des Extremismus heimgesucht werden.

      إن كنت لا تدري فتلك مصيبة              و إن كنت تدري فالمصيبة أعظمُ

„Wusstest Du es nicht zuvor, so ist das eine Katastrophe,

und wenn du es bereits wusstest … dann ist die Katastrophe noch viel größer!“

Yours Truly

Mufti Abu Layth al-Maliki

{Dieser Artikel wurde aus dem Englischen übersetzt, das Original findet sich hier, wobei der Übersetzung die erste Version vom 17.06.2017 zugrunde liegt. Anmerkungen des Übersetzers finden sich in geschweiften Klammern {…}. Geschichtliches Hintergrundwissen zu Bujiden, Seldschuken, Fatimiden etc. findet sich zuhauf, wobei das englischsprachige Wikipedia besonders zu empfehlen ist. wa salām MBSchmidt}