Als kleiner, kurioser Snack zwischendurch folgt nun eine kleine Anekdote aus Usama ibn Munqidhs „Ein Leben im Kampf gegen Kreuzritterheere“. Wenngleich sie auch direkt nichts mit Kampf, Schlachten und Heldenmut zu tun hat, ist sie doch bemerkenswert:

… Auf unserem Weg kamen wir auch an der Höhle der Siebenschläfer [Asḥāb al-Kahf] in Petra vorbei, wo ich anhalten ließ, um in der Moschee zu beten. Ich kam allerdings nicht durch den engen Felsspalt, der die Moschee mit der Höhle verbindet. Als einer der mich begleitenden türkischen Emire namens Barschak hinzutrat und sich durch den engen Spalt zwängen wollte, fragte ich ihn, was er in der Höhle wolle, er könnte ja auch vor der Höhle beten. Da rief er aus: „Es gibt keinen Gott außer Gott! Ich wäre ein Hurensohn, wenn ich nicht durch diesen Spalt hindurchkäme!“ – „Warum das denn?“, wollte ich wissen, worauf er behauptete, dass kein Sohn einer Ehebrecherin fähig sei, diesen Ort zu betreten. Seine Worte brachten mich dazu, mich doch noch durch den Spalt zu zwängen und in der Höhle mein Gebet zu verrichten.

Nachdem ich wieder herausgekommen war, ohne natürlich, wie Gott weiß, den Worten des Türken zu glauben, folgte der größte Teil des Heeres meinem Beispiel. Nun hatte Barâq az-Zubaidî, einer meiner Leute, einen frommen schwarzen Sklaven bei sich, der sehr viel zu beten pflegte. Auch er kam herbei, doch obwohl er der dürrste Kerl war, den man sich vorstellen konnte, gelang es ihm trotz aller Bemühungen nicht, durch den Spalt hineinzukommen. Der Arme weinte, heulte und schluchzte, als er sein Unterfangen erfolglos aufgeben musste.

 

 

 

[Entnommen aus: Usâma ibn Munqidh, Ein Leben im Kampf gegen Kreuzritterheere, aus dem Arabischen übertragen und bearbeitet von Gernot Rotter, Edition Erdmann, Lenningen/Regensburg 2004, S. 33.]